DELIRIUM
Buntstifte/Wasserfarben, 70 × 90 cm, 2025
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Hier, im Ozean der Informationen, wo verdrängte Realitäten, verdrehte Tatsachen und Halluzinationen verschwimmen, wo sich Wahrheiten lachend auflösen in Lügen, treibt das seltsamste aller Wesen herum - verwirrt, betäubt, hypnotisiert: das Gemeinwesen. Der Kopf dieses kollektiv überforderten Gesellschaftsdings - lächelnd und leidend zugleich, desorientiert vom Dauerfeuer der Nachrichten, verstört vom Misstrauen gegenüber Fakten - ist kein Schutzraum mehr, sondern ein undichter Behälter, aus dem stetig Sinn entweicht. An seiner Aluhutspitze klammert sich der gesunde Menschenverstand: nackt, verletzlich, um Ordnung bemüht, während tief darunter alles ins Chaos kippt. Ringsum zerfließen wabernde Massen schmelzender Schmunzel-Smileys – wie Masken ohne Träger - die alles mit Meinungsmüll zuspamen. Ihre Münder lachen mit verzerrten Öffnungen, aus denen einfache Antworten auf komplizierte Fragen hallen, Vorurteile und Bewertungen aufsteigen wie Fieberblasen, als wären sie Emissionen eines Systems, das Spaß simuliert, Komplexität relativiert, Realität verweigert. Aus Wissenschaft wird Ansichtssache, aus Erkenntnis Ideologie, aus Wirklichkeit Verhandlungsmasse. Hier, im digitalen Meer, schwimmt die toxische Fratze einer Gesellschaft, die sich selbst überflutet und den Boden unter den Füßen verloren hat, weil sie Bequemlichkeit über Bildung stellt, Lautstärke über Verantwortung, Gefühl über Wahrheit. Wenn Dummheit zur Tugend wird, kippt der Verstand - und mit ihm die Welt. Ins Delirium.