Mutter Natur
MUTTER NATUR

Buntstifte, 70 × 90 cm, 2019
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Emporgewachsen aus dem Innersten der Erde erhebt sich die Ikone der Neuzeit: Gaia, Mutter allen Lebens, die heilige Madonna des Anthropozäns. Aus ihrem emeralden Schoß wuchert das Blattwerk in grotesker Chloro-Fülle, um ihren Leib ranken sich Adern aus Efeu und Farne wie Erinnerungen an vergessene Paradiese. Im holden Antlitz dieser monströsen Schönheit offenbart sich ein sakraler Schlund, weit aufgerissen wie ein apokalyptisches Siegel - ein schwarzes Loch, aus dem der Urschrei hallt: markerschütternd, geboren aus dem Schmerz von Jahrhunderten der Rodung, Zerstörung und Ausbeutung. An ihre Brust, der letzten Oase einer sterbenden Welt, klammert sich ihr eigener Henker - das Menschenkind: zart, zerbrechlich, schutzbedürftig - und trinkt den Nektar des Lebens mit der Gier eines Parasiten. In seiner kleinen Hand hält es den Funken der Selbstvernichtung: ein winziges Streichholz, gekrönt von einer tanzenden Flamme, die zum Inferno führt: Wälder in Brand, Himmel in Glut und Asche. Fragend, klagend ist des Kindleins Blick gerichtet an die Welt, auf dich, Betrachter, du Architekt und Zeuge deines langsamen Untergangs! Mutter Natur nährt uns, hält uns. Noch.