Ein metaphorischer Turm als Abbild der zunehmenden Isolierung des Individuums - eine moderne Version des „Turms zu Babel“ im digitalen Zeitalter. Mit dem Ausbruch einer Pandemie, die ihren vorläufigen Zenit im Jahr 2020 fand, prägte ein Virus unsere Gesellschaft – wie geschaffen, um uns gegenseitig auf Abstand zu halten, obwohl körperliche und soziale Wärme wichtiger wäre denn je. Gegenmaßnahmen wie Ausgangssperren und Lockdowns bestimmten den Alltag, und selbst die natürlichste Geste der Kommunikation als Zeichen der Offenheit gegenüber seinen Mitmenschen – das Lächeln – musste durch Masken verdeckt werden. Eingesperrt in grauen Mauern schien die grenzenlose Freiheit weit entfernt.
Wir befinden uns im Stadium des Wartens. Wir warten auf die nächsten Maßnahmen der Regierung. Auf den Arzttermin. Auf das Testergebnis. Auf die Schulschliessung. Auf den Neubeginn des gesellschaftlichen Lebens. Auf den Tag des Jüngsten Gerichts. Oder darauf, dass das Leben endlich einen Sinn ergibt. Warten ist passiv. Es dauert an, bis von außen ein Impuls kommt, daß etwas weitergeht. Wahrhaft warten können wir nur, wenn wir noch etwas vom Leben erwarten. Sonst vegetieren wir. Das schlimmste Warten ist das, wenn man nicht weiss, wann es ein Ende hat. Wir können diese Passivität aber auch überspringen, indem wir das Warten mit positivem Inhalt füllen. Also zeichne ich…
November 2020 (während des 2. österreichweiten Lockdowns)